8.3. Ausblick#
Die vorgestellte Fallstudie ist bewusst als exemplarische und in sich abgeschlossene Pipeline angelegt. Zugleich eröffnet gerade die Reflexion ihrer Grenzen eine Reihe von Anschlussmöglichkeiten, sowohl für eigene Projekte als auch für eine Weiterentwicklung der hier gezeigten Analyse.
Reichere sprachliche Merkmale. Statt allein auf Wort- und Satzlänge zu setzen, ließe sich die Textkomplexität mit Mitteln der computerlinguistischen Annotation feiner erfassen: etwa über die syntaktische Verschachtelungstiefe, den Anteil von Nominalstil und Passivkonstruktionen, Negationen oder den Anteil von Fremd- und Fachwörtern. Solche Merkmale kämen dem Konzept der Leichten Sprache näher als reine Längenmaße.
Vergleich mit Angeboten in Leichter Sprache. Ein Vergleich der regulären Pressemitteilungen mit eigens erstellten Angeboten in Leichter Sprache könnte zeigen, wie groß der Abstand zwischen „normaler” und barrierearmer Behördenkommunikation tatsächlich ist.
Breiteres Korpus. Die Analyse ließe sich auf weitere Verwaltungsebenen, andere Bundesländer, weitere Textsorten (z.B. Formulare oder Bescheide) oder einen längeren Zeitraum ausweiten, um den Befund auf eine breitere Grundlage zu stellen.
Ursachen erschließen. Um den beobachteten Trend zu erklären, könnten die Komplexitätswerte mit inhaltlichen Merkmalen (z.B. über Topic Modeling ermittelten Themen) oder mit politischen Ereignissen in Beziehung gesetzt werden.
Qualitative Validierung. Ein Close Reading besonders einfacher und besonders komplexer Pressemitteilungen könnte prüfen, ob die gemessenen Werte der intuitiven Einschätzung standhalten, und so quantitative und qualitative Zugänge verbinden.
Nachnutzung. Schließlich lässt sich die hier aufgebaute Pipeline, vom Scraping über die Korpuserstellung bis zur Analyse, auf eigene Fragestellungen und Korpora übertragen. Wir laden Sie herzlich ein, genau das zu tun.