5.6. Resümee#
Key points des Kapitels
Zweiteilige Operationalisierung: Die qualitative Forschungsfrage, ob die deutschsprachige Literatur des 19. Jahrhunderts auf die zunehmende Luftverschmutzung reagiert, wurde in zwei quantitativ messbare Teilanalysen überführt: wie häufig Luft thematisiert wird (Häufigkeit des semantischen Felds „Luft”) und wie über Luft gesprochen wird (syntaktische Adjektiv-Substantiv-N-Gramme).
Methodenspektrum: Zum Einsatz kamen die Häufigkeitsanalyse eines semantischen Felds mit normalisierten (relativen) Häufigkeiten und ihre Visualisierung als Streudiagramm mit Trend-Linie sowie – über die reine Wortfolge hinaus – die dependenzbasierte Extraktion syntaktischer N-Gramme. Einzelne Belegstellen wurden ergänzend per KWIC (Keyword in Context) qualitativ überprüft.
Robustheit durch zwei Stichproben: Beide Analysen wurden parallel auf Korpus I und Korpus II durchgeführt. Dass die Ergebnisse über beide Stichproben hinweg konsistent sind, spricht dafür, dass die Befunde nicht von der konkreten Zufallsauswahl abhängen.
Befund und kritische Einordnung: Keine der beiden Analysen zeigt eine deutliche literarische Reaktion auf die sich verschlechternde Luftqualität: Die Thematisierung von „Luft” nimmt über das Jahrhundert nicht maßgeblich zu, und die häufigsten Adjektive sind positiv konnotiert (frisch, rein, frei). Dieses Ergebnis wird methodisch reflektiert – etwa im Hinblick auf die Grenzen der Operationalisierung und des semantischen Felds.
In diesem Kapitel sind wir zu unserer Forschungsfrage und ihrer zweiteiligen Operationalisierung zurückgekehrt und haben zwei Analysen auf unseren beiden Korpora durchgeführt. In der Häufigkeitsanalyse des semantischen Felds „Luft” haben wir für jeden Text die relative Häufigkeit luftbezogener Wörter berechnet und ihre Entwicklung als Streudiagramm mit Trend-Linie über die Zeit dargestellt. In der Analyse syntaktischer N-Gramme haben wir – aufbauend auf den Grenzen linearer N-Gramme – mithilfe der Dependenzannotation die Adjektive extrahiert, mit denen „Luft” näher beschrieben wird, und ihre Entwicklung über die Jahrzehnte betrachtet.
Beide Analysen führen zu einem eher ernüchternden, aber aufschlussreichen Ergebnis: Eine wachsende oder zunehmend kritische Auseinandersetzung mit Luftqualität lässt sich im Korpus nicht nachweisen. Die relative Häufigkeit des semantischen Felds steigt nur leicht und nicht maßgeblich an, und die dominierenden Adjektive – allen voran „frisch” – zeichnen ein durchweg positives Bild von Luft. Ob dies bedeutet, dass die Literatur die veränderte Luftqualität tatsächlich nicht reflektiert, oder ob unsere Operationalisierung zu kurz greift, ordnen wir in der abschließenden Reflexion ein.