Einführung

2.1. Einführung#

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Die Digitalisierung hat auch die Film- und Medienwissenschaften grundlegend verändert. Das Medium Bewegtbild selbst – in all seinen Formen und Erscheinungsweisen, seinen Produktions- und Zirkulationsverfahren – unterliegt historisch wie gegenwärtig einem ständigen Wandel und lässt sich als Ausdruckssystem gesellschaftlicher Bedingungen und Möglichkeiten verstehen. Diese zunehmende Digitalisierung betrifft dabei nicht nur die Filmproduktion, sondern ebenso ihre Rezeption: Digitalfilm, Streamingdienste, Social Media und der Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) prägen maßgeblich, wie wir Filme und andere Bewegtbildmedien heute wahrnehmen und verstehen.

Dieser “digital turn” und die damit einhergehende “migration of cultural materials into networked environments” eröffnen und erfordern neue Herangehensweisen aus geisteswissenschaftlicher Perspektive, wie Johanna Drucker betont. Mit der Verfügbarkeit von Filmen als Digitalisate erschließen sich demnach auch neue Untersuchungsmethoden und Verfahren der filmischen Analyse. So ermöglicht beispielsweise die Verwendung digitaler Annotationswerkzeuge, wie ELAN oder Advene, auf Basis der Erhebung von Annotationsdaten detaillierte Film- und Videoanalysen.

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Fig. 2.1 Annotationsinterface der Advene-Anwendung#

Entlang einer Timeline werden für ausgewählte Analyseparameter kleinschrittig Annotationen erstellt. Diese Annotationen können dann für eine genauere Untersuchung analysiert und ausgewertet werden.

Darüber hinaus kommen computergestützte Visualisierungsverfahren zum Einsatz, wie am Beispiel des Projekts ”Timeline of Historical Colors in Photography and Film”, unter der Leitung von Barbara Flückiger, zu sehen ist.

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Fig. 2.2 Visualisierung analoger Farbfilmverfahren#

Das Projekt veranschaulicht anhand digitalisierter Materialien die historische Entwicklung analoger Farbfilmverfahren. Es werden zu spezifischen Filmen Farbräume erfasst, anhand derer Materialität und Ästhetik filmischer Bilder rekonstruiert werden können. Die Abbildung zeigt, wie verschiedene analoge Farbfilmverfahren über die Zeit verteilt auftreten.

Wie diese Einblicke bereits zeigen, werden in diesen Forschungsprozessen Daten einerseits herangezogen, andererseits entstehen aber auch immer wieder neue. Doch was sind Forschungsdaten in der Filmwissenschaft überhaupt? Und wie lässt sich damit im konkreten Forschungsalltag umgehen – d.h., wie können diese Daten sowohl organisiert als auch im Anschluss für eine Nachnutzung aufbereitet werden?

Mit unserem Fallbeispiel aus einem filmwissenschaftlichen Forschungsprojekt wollen wir uns Schritt für Schritt dem Thema Forschungsdaten, ihrem Management und ihrer Publikation auseinandersetzen.